Die grossartige SBB

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Quelle Pixabay, Andi Graf

Ein Jahr lang hatte ich Gelehenheit als SBBServiceScout den SBB über die Schulter zu schauen. Ein cooles Jahr für mich. Bin beeindruckt von der Serviceleistung von SBB

Während einem Jahr hatte ich den Auftrag Bahn zu fahren, die SBB zu beobachten und meine Beobachtungen unvoreingenommen zu twittern oder zu bloggen. Dieses aktive Hinschauen zeigte mir die SBB in neuem Licht. Zu meinem grossen Erstaunen fand ich keine wirklichen Mängel, nichts das fundamental zu beanstanden wäre. Der Fahrbetrieb, das Kerngeschäft der SBB läuft einwandfrei.

Technik
Komplexe Technik, ein riesiges Schienennetz, Weichen die mit wenig Zentimeterabstand bestimmen wohin der Zug fährt. Mit 200 km/h sich kreuzende Züge. Wenn diese Technik versagt, dann kommt das Leitsystem und verhindert Unfälle: Technik
Aber auch das Zusammenstellen der Zugskompositionen, die Zugsbegleiter und Lokführer, das Leitsystem und dessen Personal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es ist ein riesen Netzwerg.

 

Pünktlichkeit
Die zeitliche Fahrdichte und die Pünktlichkeit der SBB sind legendär. Schön dass die SBB Uhr zur Kult-Uhr wurde. Sie symbolisiert souverän die Zeit im Mittelpunkt des Bahnverkehrs. Dank Taktfahrplan kenne ich alle Abfahrtszeiten auf bekannten Strecken. Sehr viele Verbindungen fahren mehrfach stündlich, sodass ich jederzeit nach Bern fahren kann ohne die Reise zuvor zu planen. Warten muss ich nirgends lange.

Personal
Das ganze Jahr über fand ich stets und überall freundliches und kompetentes Personal, Menschen die sich leidenschaftlich hingeben für diese Bahn. Menschen, die sich der Kunden annehmen, hinhören, hilfsbereit sind und so wirklich dem Reisenden dienen. In einem Fall beobachtete ich einen Zugbegleiter der kurz vor Bahnhofeinfahrt einen im Rollstuhl sitzenden Mann informierte, dass seine Aussteigehilfe bereitstünde – und wirklich, exakt da wo unser Wagen hielt stand dann auch ein Hebelift mit Fahrer bereit und erwartete den Mann im Rollstuhl.
Personal
Am grössten Schulreisetag aller Zeiten fuhr ich mit einer Klasse mit und staunte, wie SBB überall hilfsbereites Personal aufgeboten hatte, damit alles reibungslos verlief. Kompliment an das Personal.

Sauberkeit
Natürlich liegen haufenweise Zeitungen auf den Sitzen, nachdem Passagiere ausgestiegen Sauberkeitsind. Dass dann jedoch blitzschnell der Putzdienst da ist, Abfalleimer leert, Zeitschriften entfernt und allenfalls kurz was putzt, das ist echt vorbildlich. Bemängeln kann ich höchstens den gelegentlichen Duft eines leicht säuerlich riechenden Putzmittels. Vielleicht könnt Ihr Euch da mal etwas besser Riechendes anschaffen. Auch die Bahnhöfe sind sauber, alle paar Meter eine ‚Batterie‘ von fünf zweckgetrennten Abfalleimern (Raucher-Entsorgung mitgezählt). Danke SBB, es ist schön, in solchen Zügen reisen zu dürfen.

Verbindungen und Preise
Die Strecke Bern-Zürich ist in 56 Minuten zu machen – zu einem Preis von 102 Fr. (ohne HT) für die zweite Klasse. Mit dem Auto wären die 123 km (Google-Maps) in 1.5h zu machen zu einem Preis (TCS-Vorschlag 0.70Fr) von 87 Fr. Mit Parkieren wäre Bahn und Auto für 1 Person also gleich teuer. Da wo zwei, oder gar vier Personen zusammen unterwegs sind wird das Auto im Vergleich schnell günstiger. Wenn ich mit ausländischen Gästen (die kein HT haben) unterwegs bin, wird das Auto schnell mal zum Muss. Ich weiss, dazu liesse sich jetzt viel argumentieren über Komfort, Stress, Vergünstigungen, etc. etc. darum geht’s mir hier nicht, ich nehm’s einfach als banalen Vergleich.

Billetautomaten
Wer häufig reist, kann sie benutzen, ein Gelegenheitsfahrer kommt in der Regel ohne Hilfe damit nicht klar. Das hat mit fehlender Streckenkenntnis (Zürich via Heitersberg, Zofingen-Bern via Olten – obwohl Direktverbindung) und auch mit dem komplexen Zonensystem und der Billetvielfalt zu tun, aber auch mit inkonsequenter Bedienerführung (Automat führt Schritt für Schritt, de letzte und Wichtigste „jetzt bezahlen“ kommt jedoch nicht. Ich jedenfalls dachte mal, das Ding sei kaputt. Natürlich werden die SBB kaum noch viel investieren wollen (mit Handy geht es besser). Immerhin hat die SBB an vielen Bahnhöfen recht oft Bedienungspersonal hingestellt, die freundlich, schnell, kompetent weiterhelfen.

Swisspass
SwisspassDer Swisspass ist nun mal da – und er hat Zukunft. Persönlich hatte ich mich sehr gefreut, mit einem GA ausgestattet worden zu sein. So war es ein sehr sehr gutes Gefühl, in jedes öffentliche Gefährt einsteigen zu können ohne mich mit dem Lösen von Billet im komplizierten Zonendschungel auseinandersetzen zu müssen. Beim Klassenwechsel war ich jedoch sehr enttäuscht zu sehen, dass dieser Swisspass nicht fähig ist diese Erweiterung  aufzunehmen. Auch 2.Klass strornieren und durch 1.Klass ersetzen geht nicht. So bin ich nun mit fünf Billets unterwegs, Swisspass, zudem auf Papier: Klassenwechsel und zwei Enkelkarten und eine Kindermitfahrkarte. Ich finde dies sehr enttäuschend – und bei den Kontrollen mühsam, umso mehr SBB aggressiv wirbt, dass auch andere Betriebe (Skilifts) auf dieselbe Karte geladen werden könnte. Mein Versuch mir Skilift scheiterte ebenfalls. An der Kasse wurde mir abgeraten den Swisspass zu laden (er könnte kaputt gehen. Später erfuhr ich, dass die Bergbahnen Kommission an SBB zahlen müssen). Zudem erschwert es die Arbeit der Kontrolleure weil sie aus Datenschutzgründen die Personaldaten nicht abrufen könnten. So muss also auch beim Skilift neben dem Swisspass eine Papierquittung mitgeführt werden. Bei SBB selbst scheiterten alle meine Versuche, das anzusprechen. Egal auf welchem Kanal ich probierte, es kam keine Antwort zurück. Ein Zugbegleiter bestätigte meinen Verdacht, dass SBB ein Kommunikationsverbot über Swisspass verhängt hatte. Überprüfen kann ich dies nicht, aber meine Indizien deuten darauf hin.

Railservice
Ein ganz besonderes Kompliment geht an Railservice. Diese Dienstleistung ist 1A+++ Hier hat SBB ein ganz besonderes Team, so reist quasi eine Zugbegleiterin jederzeit mit. Ein Tweet an @Railservice und 15 Minuten später steht da eine kompetente und wohlformulierte Antwort zu allen Fragen zum aktuellen Bahnverkehr. Hätte ich Medaillen zu vergeben, meine Goldmedaille ginge an diesen wunderbaren, freundlichen, kompetenten Dienst. Railservice, Du bist der Beste!

Freizeitreisen
FreizeitDass die Schweiz ein ÖV System hat, das nicht bloss den Berufsverkehr transportiert, sondern gleichzeitig selbst eine Attraktion ist mit seinen Bergen, Viadukten, Tunneln, das ist einfach genial. SBB, so gesehen seid Ihr die Besten. Das Fahren mit Euch ist ein grosses Vergnügen.


Danke
Ganz herzlichen Dank liebe SBB, dass ich Euch ein Jahr lang über die Schultern blicken konnte. Ihr habt Türen geöffnet, in alle Züge, auf alle Strecken, an Events und Pressekonferenzen, Führungen und Apéros. Dabei wurden wir nie zensuriert. Immer wieder habt Ihr betont, dass wir #SBBSERVICESCOUTS frei seinen, beobachten und kritisieren können nach unserem Ermessen. Ich war erstaunt, dass ich kaum etwas zum ernsthaft bemängeln fand. Ihr seid grossartig unterwegs.

Besondern Dank an Sarah Stiefel, die uns begleitete und immer ein offenes Ohr für uns gehabt hat. Speziellen Dank aber auch an den so mutigen und innovativen CEO Andreas Meyer, den ich auch persönlich kennenlernen konnte. Der CEO der keine Berührungsängste kennt Neues zu probieren und sogar zehn fremden Scouts Tür und Tor öffnet zum Hinschauen und auf Schwachstellen hinzuweisen. Das ist wahre Grösse, lieber Andreas Meyer.

Persönlich bedaure ich, dass das Jahr nun vorbei ist, hoffe aber, dass eine Freundschaft bleibt. Ich jedenfalls werde Euch immer schätzen.

Andreas Schweizer