Mit internationalen Gästen durch die Schweiz

Die SBB im Feldversuch

Ich musste schmunzeln, als ich von Sarai, einer Freundin aus Australien erfuhr wie sie ihren Besuch in der Schweiz plante. Sie müsse noch die Bahn von Basel nach Aarau reservieren, wisse jedoch noch nicht wie. Gerne würde ich sie nach ihren Erfahrungen fragen nach ihrem Besuch.

Die Bussen Problematik

IMG_2421Es ist noch nicht lange her, da wartete ich in Olten auf vier Australische Freunde. Sie waren in Liestal in die Bahn gestiegen. Ich staunte nicht schlecht als sie ausstiegen – im Schlepptau eines Zugbegleiters, der sie zum Billetautomat führte um mit ihnen ihre vier Tickets im Nachhinein zu kaufen. Aus früheren Besuchen hatten sie gewusst, dass sie ihr Billet mit kleinem Aufpreis beim Zugbegleiter kaufen konnten. Dass neu nun jeder mit 100 Fr.  gebüsst würde, das wussten sie nicht. Ich war so dankbar, dass ihr Zugbegleiter die Situation richtig eingeschätzt hatte und sehr menschenfreundlich reagierte. Ob es SBB konform war weiss ich nicht.

Ich fragte mich, wie sich unsere neuen Gäste schlau machen um in keine Falle zu tappen. Würden Sie erkennen, dass unsere Bahn ein Zweiklassen System hat, welche Einbussen sie in der zweiten Klasse in Kauf nehmen müssen, und wie sie die entsprechenden Abteile erkennen? Würden Sie verstehen wann und warum sie ein ganzes oder ein halbes Billet kaufen müssen?  Würden sie in der Lage sein ein Billet von A nach B korrekt zu lösen? Würden alle Zugbegleiter kulant sein bei Fehlern? Hat SBB eine Informations-Broschüre für ausländische Gäste die sie auf lauernde Gefahren aufmerksam machen?

Nun gut, in Basel holte ich sie ab nach ihrer langen Reise durch Deutschland während der Nacht. Nach freudiger Begrüssung überquerten wir den Rhein zweimal mit der Fähre, da konnte tarifmässig vorerst nichts schiefgehen. Auch nicht beim gemütlichen Schlendern durch die Stadt.

Ticket lösen im Feldversuch

IMG_2400Den grössten Traum meiner Besucher konnte ich leider nicht erfüllen, eine Snowboard Lektion auf dem Titlis. Eine Lehrerin hatte ich gebucht, den Titlis zum Voraus besucht und die Pisten inspiziert, doch leider wurde nichts daraus, das Wetter war so schlecht, dass wir am Morgen noch absagen mussten. Das Alternative Programm, Besuch des Rheinfalls und der Stadt Schaffhausen mit Besuch auf dem Munot, war eindrücklich und machte Spass.

Zuerst ‘zwang’ ich meine Freunde zum Feldversuch. Sie sollten das Bahnbillet am Handy oder am Automat lösen, was ihnen (erwartungsgemäss) nicht gelang. Es sind einfach zu viele Komponenten die man kennen muss. So führt wahrscheinlich für Internationale Besucher nichts am Schalter vorbei, wo sie bestimmt gut und kompetent beraten werden.

Unser Bahnsystem ist sehr komplex

Die Internetseite der SBB macht die Komplexität der Sache deutlich. Sie ist vorbildlich in vier Sprachen geführt. Sechs Hauptmenus führen über je fünf Untermenus zu durchschnittlich sieben Titeln, das ergibt (6x5x7 = 210 Internet-Seiten an wichtiger Information).

In Adelaide fahren Passagiere für 5 $ zwei Stunden mit allen Verkehrsmitteln

Erstaunt waren meine Freunde vom hohen Preis (82 CHF pro Person). Zwar offeriert SBB auch ein Gäste Halbtax für einen Monat zu 120 CHF, was sich jedoch für Kurzreisen nicht rechnet. Auch ein Drei Tage GA zu 210 CHF wird wohl kaum je ausgenutzt werden können, müsste doch auf drei aufeinanderfolgenden Tagen je eine Reise für mehr als 70 CHF gemacht werden.

Ein gemütlicher Ausflug mit der Bahn

Das örtlich und zeitlich dichte Bahn- und Bus Netz in der Schweiz macht das Reisen leicht – sogar ohne Planung.

Um acht Uhr holte ich Severin ab, eines meiner Grosskinder. Es war sein erster Ferientag und wir wollten zusammen nach Zürich in den Zoo. Da wir alle Zeit der Welt hatten und beide das Zeithaben so richtig geniessen können ersparte ich mir den Blick in den Fahrplan. Wir informierten uns an den Anzeigetafeln und fuhren los.

Beim Umsteigen in Aarau profitierten wir prompt von der 6-minütigen Verspätung eines Zuges, den wir gemütlich erreichten. Das grösste Problem war die Beschilderung im Bahnhof Zürich. Tram 6 war zwar angeschrieben, aber nur bis aus dem Bahnhof raus. Dass wir hier die Strasse zurück und in eine Seitenstrasse einbiegen mussten, war nicht so deutlich sichtbar.

Für uns beide spielte das keine grosse Rolle und wir erreichten das Tram ohne grosse Wartezeit. Im Nu brachte es uns zum Zoo, unserem Tagesziel. Bei schönstem Wetter bummelten wir durch dieses herrliche Paradies, genossen Tiere und Infos, Schleckereien und Essen.

Da uns die Sonne so schön beschien beschlossen wir an den Bürkliplatz zu fahren und von da mit dem Limmatschiff zurück zum HB zu fahren. Beim Zoo stiegen wir ins gerade bereitstehende Tram. Hier informierte ich mich per SBB App, wie wir fahren sollten, wechselten das Tram am bezeichneten Platz und fuhren gemütlich zum Bürkliplatz.

Ohne Blick zum Fahrplan marschierten wir zum Steeg und sahen, dass das Schiff bereits auf uns zu fuhr und wir ohne Wartezeit gleich einsteigen konnten. Im HB rannten wir dann noch ein paar Meter um den schon fast abfahrenden Zug zu erreichen.

Das Facit: Mit dem dichten Bahnnetz und der hohen Fahrfrequenz sind wir in der Schweiz extrem verwöhnt. Schnell und komfortabel können wir fast jeden Ort erreichen und sind auch ohne Planung schnell am Ziel. Schön, ein so tolles ÖV Netz verfügbar zu haben.